Was tun Verbraucher für die Circular Economy?

Veröffentlicht am 29.9.2022 von Rosalia Pavlakoudis

Die zirkuläre Wirtschaft nimmt an Bedeutung zu. Nicht nur für Firmen, sondern auch für Verbraucher. Die neue Software Advice-Studie untersucht, welchen Beitrag Verbraucher zur nachhaltigen Kreislaufwirtschaft leisten und was Unternehmen davon lernen können.

Was tun Verbraucher für die Circular Economy?

Die zirkuläre Wirtschaft, auch Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy genannt, wird oft in Zusammenhang mit einer nachhaltigen Unternehmensführung gebracht. Aber sind nur große Konzerne dazu angehalten, Ressourcen zu schonen und bestehende Materialien und Produkte so lange wie möglich aufzuarbeiten, wiederzuverwenden und zu recyceln, um auf diese Weise den Lebenszyklus der Produkte zu verlängern? Welche Möglichkeiten gibt es für Verbraucher, sich an einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zu beteiligen?

Darum geht es im zweiten Teil unserer Circular Economy-Umfrage. Im ersten Teil unserer Serie zur zirkulären Wirtschaft beschäftigten wir uns mit den Verbrauchermeinungen zum Beitrag von Unternehmen zur Circular Economy. Unter anderem ergab die Studie, dass die Deutschen mit 68 % überwiegend mit dem Konzept der zirkulären Wirtschaft vertraut sind.

Im zweiten Teil geht es vor allem darum, was Konsumenten selbst für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft tun. Dazu haben wir den Teilnehmern Fragen gestellt wie: Wie häufig kaufen bzw. verkaufen sie Second-Hand-Produkte? Was sind die Gründe dafür, wenn sie Second-Hand-Produkte weder kaufen noch verkaufen? Was halten sie von Initiativen gegen die Lebensmittelverschwendung? Im Rahmen der Umfrage wurden über 1000 deutsche Konsumenten befragt. Eine Reihe anderer Länder (Australien, Kanada, Frankreich, Spanien, UK) nahmen ebenfalls an der Umfrage teil und erscheinen stellenweise im Text zum Zwecke von Ländervergleichen. Die vollständige Methodik findest du am Ende.

Second-Hand-Shopping: Jeder Zweite kauft bereits Produkte aus zweiter Hand

Laut unserer Umfrage shoppt jeder zweite Befragte Second-Hand-Ware, davon gaben 42 % an, Second-Hand „manchmal” zu kaufen, und 9 % sagten, es sei immer ihre erste Wahl. 85 % der Teilnehmer erklärten zudem, sich aktiv darum bemühen, die Lebensdauer der von ihnen gekauften Produkte zu verlängern. Zu den beliebtesten Second-Hand-Produkten zählten Bücher (60 %), Kleidung (56 %) sowie Elektronik (44 %).

So häufig kaufen Verbraucher Second-Hand-Produkte

Die Shoppingmöglichkeiten sind zahlreich und reichen von Familie, Freunden und Bekannten über Vintage-Läden und Flohmärkte bis hin zu Online-Shops. Wir baten diejenigen Teilnehmer, die bereits Erfahrung mit Second-Hand-Shopping haben, alle zutreffenden Optionen für ihren Kauf von Second-Hand-Produkten anzugeben. Das Ergebnis: Mit 68 % kauft die Mehrheit der Teilnehmer auf Online-Marktplätzen ein, die viele verschiedene Second-Hand-Produkte anbieten. Darauf folgen Flohmärkte (38 %) und Apps und Websites, die auf eine Kategorie spezialisiert sind (35 %), beispielsweise auf Kleidung oder Elektronik. Physische Second-Hand-Läden werden von 32 % der Befragten frequentiert und 31 % nutzen die Option, Gebrauchtes über Familie, Freunde oder Bekannte zu kaufen.

Geld sparen ist der Hauptgrund für den Second-Hand-Einkauf

Nachhaltiger Konsum liegt schon seit Jahren im Trend, die Vorteile liegen auf der Hand. Besser für die Umwelt, kostensparend, Unterstützung lokaler Unternehmen. Was sind nun die treibenden Gründe für Verbraucher, gebrauchte Ware zu kaufen? 

Unseren Teilnehmern zufolge ist „Geld sparen” für 43 % der Hauptgrund für den Kauf von Second-Hand-Produkten. Erst danach kommt Nachhaltigkeit (21 %). Weitere 12 % gaben als Hauptgrund an, die Lebensdauer bestehender Produkte so lange wie möglich zu verlängern.

Die Hauptgründe für Verbraucher, Produkte aus zweiter Hand einzukaufen

Im internationalen Vergleich fällt auf, dass Geld zu sparen bei Weitem das stärkste Motiv für alle an der Umfrage teilnehmenden Länder darstellt, Second-Hand zu shoppen. Nachhaltigkeit als Hauptgrund erzielte dagegen in Deutschland den höchsten Wert. In den anderen Ländern fällt die Gewichtung für Nachhaltigkeit als Hauptmotivation für den Kauf von Ware aus zweiter Hand wie folgt aus: 

  • Spanien (15 %)
  • Frankreich (15 %)
  • UK (12 %)
  • Australien (11 %)
  • Kanada (8 %)

Wir haben gesehen, wie sich Konsumenten beim Kauf von Second-Hand-Produkten verhalten. Werfen wir nun einen Blick auf die Präferenzen, wenn es darum geht, eigene Gegenstände auszusortieren.

Gebrauchtes aussortieren: Second-Hand zu verschenken ist ein globaler Trend

Für Gegenstände, die nicht mehr gebraucht werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sie können weggeworfen, verkauft oder verschenkt werden. Insbesondere Kleidung findet häufig den Weg in die Altkleidersammlung. Verbraucher gehen davon aus, dass diese Sachen an Bedürftige gespendet werden.

Wir baten die Teilnehmer, anzugeben, wie sehr sie der Aussage „Ich verschenke oder spende oft Produkte, die ich nicht mehr benutze” zustimmen. 73 % stimmten „etwas” bis „voll und ganz” zu. Isoliert betrachtet ist dies bereits ein hoher Wert; Allerdings bildet Deutschland im Ländervergleich das Schlusslicht. Der Spitzenreiter ist Australien, wo 87 % der Befragten angaben, Produkte zu verschenken oder zu spenden, die sie nicht mehr benutzen. 

Second-Hand-Produkte zu mieten findet eher wenig Anklang unter Verbrauchern

Einerseits ist der Second-Hand-Einkauf unter deutschen Konsumenten so beliebt wie noch nie. Andererseits lässt sich dasselbe nicht sagen, wenn es um das Mieten, bzw. Ausleihen von Gegenständen geht. Insgesamt 65 % widersprechen der Aussage „Ich wäre interessiert daran, elektronische Geräte zu mieten”, davon stimmen 33 % „überhaupt nicht” und 32 % „wenig” zu. Damit führt Deutschland gegenüber den anderen teilnehmenden Ländern im Segment derjenigen, die „überhaupt nicht” zustimmen.

Ländervergleich Verbraucher, die überhaupt nicht daran interessiert sind, elektronische Geräte zu leihen

Das ist verblüffend, denn elektronische Geräte auszuleihen oder zu mieten kann nicht nur eine gute Methode für eine nachhaltige Lebensweise sein, sondern auch Geld sparen. Wessen Heimwerkeraktivitäten sich beispielsweise darauf beschränken, gelegentlich ein Loch in die Wand zu bohren, muss nicht gleich eine Bohrmaschine kaufen. Leihen oder mieten lautet die Devise. Wer bei Familie und Freunden nicht fündig wird, kann auf Nachbarschaftsplattformen, Leihläden oder Onlineanbieter zurückgreifen. 

Bei Kleidung ist die Zahl sogar noch höher. 53 % stimmen der Aussage „Ich wäre interessiert daran, Kleidung auszuleihen” „überhaupt nicht” zu, 27 % stimmen „wenig” zu.

Second-Hand–Verkauf: Extra Einkommen als größte Motivation, gefolgt von Nachhaltigkeit

Abgesehen vom Einkauf von Second-Hand-Ware haben wir uns gefragt, wie oft Konsumenten ihre Sachen verkaufen und wo. 

Auf die Frage, wie häufig sie Produkte wie Kleidung, Möbel, Elektronik etc. weiterverkaufen, antworteten 14 % mit „häufig”, 40 % mit „manchmal”, 27 % mit „selten”. Weitere 10 % gaben an, dass sie Produkte nie weiterverkaufen und auch nicht daran interessiert sein, und 9 % erklärten, dass sie zwar nie Second-Hand verkaufen, aber gerne damit anfangen würden (auf die letzten beiden Gruppen wird später näher eingegangen).

Wie häufig verkaufen Verbraucher Produkte weiter?

38 % nannten dabei ein zusätzliches Einkommen als Hauptgrund, warum sie Produkte weiterverkaufen. 32 % nannten „Nachhaltigkeit” als Leitgedanken und 19 % sagten, sie hätten Zuhause nicht genügend Platz.

Die Hauptgründe, warum Verbraucher ihre Produkte weiterverkaufen

Warum einige Verbraucher ihre alten Sachen nicht weiterverkaufen

Dinge, die man nicht mehr braucht, weiter zu verkaufen, ist ohne Zweifel eine willkommene Einnahmequelle für viele. Zumindest lukrativer als sie wegzuwerfen. Dies gestaltet sich schwierig, wenn man nichts besitzt, was sich verkaufen lässt. So erklärten 28 % derjenigen Befragten, die zuvor angegeben hatten, zwar nie Second-Hand zu verkaufen, aber gerne damit anfangen würden, als Hauptgrund dafür, dass sie bisher noch keine Produkte weiterverkauft haben: „Ich habe nicht viel zu verkaufen.”

Darüber hinaus erfordert die Teilnahme am Second-Hand-Handel auch Zeit und Mühe. Die Gegenstände müssen für den Second-Hand-Verkauf aufbereitet werden (Kleidung sollte zum Beispiel frisch gewaschen sein, elektronische Geräte oder Möbel am besten gereinigt werden), und im Falle eines Onlineverkaufs angemessen präsentiert und bepreist werden. Interessenten könnten zudem Rückfragen haben, die beantwortet werden müssen, und so weiter. Dass sie sich nicht die Mühe machen wollen war tatsächlich für 16 % der Befragten der Hauptgrund dafür, dass sie bisher noch keine Produkte weiterverkauft haben.

Die Hauptgründe dafür, dass Verbraucher bisher noch keine Produkte weiterverkauft haben

Wir befragten auch diejenigen Teilnehmer, die zuvor angegeben hatten, dass sie Produkte nie weiterverkaufen und auch nicht daran interessiert sind. Auch hier wurde von der größten Gruppe (39 %) als Hauptgrund dafür, dass sie sich nicht dafür interessieren, ihre Produkte weiterzuverkaufen, angeführt, sie hätten nicht viel zu verkaufen. Auf Platz zwei landete mit 23 %, dass die Befragten Dinge, die sie nicht mehr nutzten, lieber wegwerfen oder verschenken, statt sie zu verkaufen.

Weshalb sind Verbraucher nicht daran interessiert, ihre Produkte weiterzuverkaufen?

Neben dem Kauf und Verkauf von Produkten aus zweiter Hand ist das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung eine weitere Maßnahme innerhalb der Circular Economy. Im nächsten Abschnitt werden wir sehen, was Verbraucher davon halten.

Umgang mit Nahrungsmitteln: Verbraucher würden mehr in Restaurants ausgeben, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen

Um die 11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. 59 % davon in Privathaushalten. Das macht etwa 78 Kilogramm pro Person und Jahr. Dies ergab eine  Erhebung des Statistischen Bundesamts

Dabei ist vieles von dem, was weggeworfen wird, noch genießbar und könnte vor der Tonne bewahrt werden. Zu diesem Zweck gibt es diverse Initiativen, wie beispielsweise Stellen und Websites, an denen Verbraucher Überschusswaren oder Konserven, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen, abgeben, bzw. vergünstigt kaufen können. 

Viele Menschen scheinen jedoch von ihrer Existenz nichts zu wissen. So gab mehr als die Hälfte der Befragten an, Apps oder Websites wie zum Beispiel „Too Good To Go”, auf denen sie Lebensmittel kaufen können, bevor sie entsorgt werden, nicht zu kennen. Davon sagten 36 %, sie kennen sie zwar nicht, wären aber daran interessiert, sie zu nutzen. 22 % erklärten, sie weder zu kennen, noch daran interessiert zu sein, sie zu nutzen.

Auch Gastronomiebetriebe beteiligen sich im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung, denn Lebensmittelverschwendung ist nicht nur ein soziales, sondern auch ein wirtschaftliches Problem, und kann schon mit einfachen Mitteln reduziert werden. Zum Beispiel mit der sachgemäßen Lagerung von Lebensmitteln und der Vermeidung von Überproduktion. 

45 % der Verbraucher können sich vorstellen, mehr Geld in einem Restaurant oder Lebensmittelgeschäft auszugeben, das sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt, wenn es ihnen gelegen kommt. 27 % würden definitiv Geld an einem Ort ausgeben, der versucht, Lebensmittelabfälle zu reduzieren. 21 % gaben dagegen an, dass dies keinen Einfluss darauf hätte, in welche Restaurants/Lebensmittelgeschäfte sie gehen.

Die Maßnahmenliste für die zirkuläre Wirtschaft ist lang

Der Kauf und Verkauf von Second-Hand-Produkten sowie die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung gehören zu effektiven Maßnahmen der zirkulären Wirtschaft. Daneben gibt es diverse weitere Möglichkeiten für Verbraucher, etwas zur Circular Economy beizutragen. Hier sind einige Alternativen:

Möglichkeiten für Verbraucher, an der Circular Economy teilzunehmen

Wie geht es weiter?

Wie wir gesehen haben, spricht Vieles für den Second-Hand-Kauf/Verkauf als Teil der zirkulären Wirtschaft. Verbraucher sind daran interessiert, nachhaltig zu konsumieren und dabei gleichzeitig etwas Geld zu sparen. 

Unternehmen können mehrfach profitieren, wenn sie sich an verschiedenen Nachhaltigkeitsinitiativen beteiligen: Sie tun der Umwelt etwas Gutes, schonen Ressourcen, können ihr Image als umweltfreundliches Unternehmen neu definieren und ziehen nicht zuletzt finanziellen Nutzen aus Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft.

Wie geht es weiter? Wirf einen Blick auf unser Nachhaltigkeitssoftware-Verzeichnis, um das passende Tool zu finden.

Methodologie:

Um die Daten für diese Studie zu erheben, hat Software Advice von Juli bis August 2022 eine Online-Umfrage durchgeführt. Als Teilnehmer wurden insgesamt 6.295 Personen zum Thema Kreislaufwirtschaft befragt, 1010 davon in Deutschland, 1014 in Australien, 1006 in Kanada, 219 in Quebec, 1009 in Spanien, 1010 in Frankreich und 1027 in der UK. 

Weitere Auswahlkriterien für die deutschen Teilnehmer waren:

  • Mindestalter von 18 Jahren
  • Wohnhaft in Deutschland

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Über den Autor oder die Autorin

Content Analyst für Software Advice. Absolventin der HHU Düsseldorf, wohnhaft in Barcelona. Am Wochenende findet man mich meistens am Strand oder beim Brunch.

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